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Kerstin Radomski

CDU/CSU · Mittwoch, 9. September 2026

Wörter
717
Beifall
6
Zurufe
4
Wahlperiode
21

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ein Haushalt ist wirksam für ein Jahr. Reformen haben Auswirkungen für ein Jahrzehnt. Worum es am Ende geht, das sind Veränderungen, die Wohlstand für alle Generationen, auch die zukünftigen, ermöglichen.

Viele unserer Großeltern haben selten darüber geredet, was sie im Krieg und beim Wiederaufbau erlebt und geleistet haben. Sie haben viel geleistet für dieses Land, weil sie wollten, dass ihre Kinder es einmal besser haben würden. Wir können heute kaum nachvollziehen, woher sie unter den schwierigen Rahmenbedingungen diesen Optimismus genommen haben. Sie haben verlässlich gearbeitet, und sie waren stolz darauf, dass sie in ihrer Familie, in ihrem Betrieb, in ihrem Verein die Dinge selbst regeln konnten.

Es fehlt uns nicht an Grundlagen. Es fehlt uns manchmal am Zutrauen. Wir haben einen Mittelstand, der seit Generationen Weltmarktführer hervorbringt, oft in Orten, die man auf der Landkarte suchen muss. Wir haben ein Handwerk, dessen Qualität ein Begriff ist.

Wir haben Forschung, die zur Weltspitze gehört. Wir haben Millionen Menschen, die sich freiwillig engagieren, ohne dass jemand sie dazu verpflichtet hätte. Unser Ehrenamt ist weltweit anerkannt und prägt unsere Gesellschaft entscheidend mit.

Das sind nur exemplarische Beispiele. Wir haben vieles, das es zu bewahren, zu entwickeln und weiterzugeben lohnt.

  • Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das ist unsere Ausgangslage.

Aber Aufstieg ist kein Alleingang. Auch der beste Betrieb ist auf Leute angewiesen, die gut ausgebildet wurden und etwas können. Ich gehe jetzt nicht auf die PISA-Ergebnisse ein.

  • Zuruf von der AfD: Warum nicht?

Aber 12,5 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sind in diesem Land ohne Abschluss.

Und rund 2,8 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren haben keine abgeschlossene Berufsausbildung und keinen Hochschulabschluss. Das ist fast jeder Fünfte in dieser Altersgruppe. Diesen jungen Menschen fehlt vielleicht nicht der Wille. Ihnen fehlt aber auf jeden Fall der Anfang. Und wenn junge Menschen aufhören, zu glauben, dass Anstrengung etwas bringt, dann verlieren wir mehr als Wachstum. Dann verlieren wir den Zusammenhalt, von dem auch unsere Demokratie lebt.

  • Beifall bei der CDU/CSU und der SPD

Leistungsbereitschaft fällt nicht vom Himmel. Sie wird gelernt, und sie wird früh gelernt von Menschen, die einem etwas abverlangen und zugleich auch etwas zutrauen: einem Lehrer, einem Trainer, Eltern, die drangeblieben sind, jemandem im Verein, der gesagt hat: Du schaffst das!

Das ist der Punkt, an dem dieser Einzelplan ins Spiel kommt; denn Kultur, Sport und Ehrenamt schaffen genau diese Orte – Orte, an denen Menschen einander begegnen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden. Im Verein lernt man beides: dass man trainieren muss, wenn man besser werden will, und dass eine Mannschaft nur funktioniert, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. Mut und Zuversicht stellen sich meist automatisch ein, wenn man gemeinsam Erfolge feiert.

Wir können dieses Zutrauen nicht per Gesetz herstellen. Wir können in diesem Land auch keine Gemeinschaft verordnen. Aber wir können die Orte stärken, an denen beides entsteht. Nehmen Sie den Sport. Von den Millionen Euro, die dafür vorgesehen sind, geht ein Teil in die Anhebung der Athletenförderung. Wer sich für Deutschland an die Weltspitze arbeitet, stellt dafür sehr viel zurück. Und es macht einen Unterschied, ob ein junger Mensch sein Talent verfolgen kann oder ob er es aufgeben muss.

Ich habe in diesem Sommer, sicherlich wie viele Kollegen hier, viele Menschen getroffen, die sich engagieren: bei der DLRG, beim Roten Kreuz, in den Schwimmvereinen. Was ist mir dabei aufgefallen? Über sich selbst reden diese Menschen kaum. Sie reden über ihre Arbeit, über die Mitglieder, über die Kinder, die sie ausbilden, über die Nachwuchssorgen. Aber sie vermitteln auch, wie viel Freude es macht, sich zu engagieren, wie viel positive Erfahrungen sie machen, wenn sie ihre Freizeit für andere einsetzen.

Das ist unser Land. Und es funktioniert, weil Menschen sich engagieren – in ihrer Familie, in ihrem Beruf, in ihrem Verein und in ihrer Nachbarschaft. Ein Gemeinwesen entsteht nicht von oben. Es entsteht dort, wo Menschen füreinander einstehen – freiwillig, ohne Auftrag und ohne Gegenleistung. Manchmal hat der Einzelne das Gefühl, er könne nicht viel zum Wohlstand und zur Freiheit beitragen. Aber nur, wenn sich alle entsprechend ihren Möglichkeiten einbringen, kann eine Gesellschaft in Freiheit und Wohlstand leben.

  • Beifall bei der CDU/CSU und der SPD

Dieser Einzelplan kann im Bereich „Sport, Ehrenamt und Kultur“ unterstützen. Ich freue mich auf die Beratungen mit meinen Kollegen und auch darauf, vielleicht noch die eine oder andere Änderung vorzunehmen.

Vielen Dank.

  • Beifall bei der CDU/CSU und der SPD

Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist Derya Türk-Nachbaur für die SPD-Fraktion.

  • Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Quelle: Plenarprotokoll 21/92 (PDF) ↗ · Zwischenrufe und Beifall sind im Text nicht enthalten.