← Sitzungstag · Plenarprotokoll 20/211 · 132. Rede des Tages

Kirsten Kappert-Gonther

Bündnis 90/Die Grünen · Freitag, 31. Januar 2025

Wörter
302
Beifall
0
Zurufe
0
Wahlperiode
20

Vor mehr als 80 Jahren wurden in unserem Land Menschen wegen ihrer psychischen Erkrankung systematisch ermordet. Ein unfassbares Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

80 Jahre – ein ganzes Menschenleben – hatten wir Zeit, das Stigma ab- und die Hilfen aufzubauen. Etliches ist geglückt. Doch der Weg zu einem Hilfesystem, das alle erreicht, die Hilfe in seelischer Not brauchen, und in dem Menschen mit psychischen Erkrankungen keine Abwertungen erleben, den müssen wir jeden Tag weitergehen. Unser heutiger Beschluss wird die Situation für Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern verbessern.

Als Ärztin, als Psychiaterin habe ich 25 Jahre Menschen mit psychischen und Suchterkrankungen begleitet und behandelt. Ich weiß, Kinder aus Familien mit psychischen und Suchtkrankheiten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Das hat auch etwas mit Scham zu tun, mit den Hürden auf dem Weg zu den richtigen Hilfen, damit, dass entsprechende Hilfen schlichtweg fehlen. Lassen wir die Kinder, lassen wir die Familien nicht alleine!

Darum geht es heute: um Hilfe für die, die Hilfe benötigen – ohne Abwertung, sondern mit Anerkennung für das, was es braucht –, und um Prävention, um mehr gesundheitsfördernde Lebenswelten, um mehr Verhältnisprävention.

Danke allen, die daran mitgewirkt haben. Das war eine gute fraktionsübergreifende Zusammenarbeit. Wir haben diesen Antrag auch gemeinsam mit CDU/CSU erarbeitet und werden ihn heute hoffentlich gemeinsam abstimmen. Ich finde, so geht gemeinsames demokratisches Handeln.

Aber ich frage mich ernsthaft: Wie passt das zusammen damit, dass Sie bereit sind, mit der AfD Abstimmungsgemeinschaften zu bilden? Wer sich mit einer Partei verbündet, die Hass und Abwertung gegenüber psychisch erkrankten Menschen schürt, verrät die Werte unserer Demokratie.

Heute beschließen wir hier im Deutschen Bundestag, dass wir uns gemeinsam für die Belange der Kinder und ihre psychisch- und suchterkrankten Eltern einsetzen – über diese Legislaturperiode hinaus.

Das ist unsere Verantwortung, denn für bessere Hilfen und Anerkennung können wir sorgen!

Quelle: Plenarprotokoll 20/211 (PDF) ↗ · Zwischenrufe und Beifall sind im Text nicht enthalten.