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Nadine Ruf

SPD · Freitag, 31. Januar 2025

Wörter
477
Beifall
0
Zurufe
0
Wahlperiode
20

„Die Priorität war der Alkohol. Jeden Tag. Und als Kind ist es schwer, zu verstehen, dass du nicht die Nummer eins bist.“. So hat der Game-of-Thrones-Schauspieler Nikolaj Coster-Waldhaus in einem Interview über seine Kindheit mit einem alkoholkranken Vater gesprochen. In Deutschland hat jedes vierte Kind Eltern, die suchtkrank oder psychisch krank sind. Diese Eltern haben oftmals nicht die Kapazitäten, ihre Kinder in ihrem Leben zu priorisieren, ihnen fehlt schlicht und ergreifend die Kraft – wie dem Vater von Coster-Waldhaus.

Das bedeutet für die Kinder leider, dass sie oft in beengten Wohnverhältnissen aufwachsen, dass ihnen niemand hilft, wenn sie Probleme in der Schule haben, und dass niemand für sie kocht oder mit ihnen auf den Spielplatz geht. Das sind alles Risikofaktoren für ihre eigene mentale Gesundheit. Und viele von ihnen erkranken deshalb psychisch – genau wie ihre Eltern. Diese Spirale müssen wir durchbrechen!

Meine Kollegin Ulrike Bahr hat es bereits gesagt: Wir haben eigentlich ein gutes Hilfesystem in Deutschland. Aber die Expertinnen und Experten aus der Kinder- und Jugendhilfe berichten uns, dass dieses System nicht alle rechtzeitig erreicht. Psychisch oder suchtkranke Eltern fällt die Kommunikation oft nicht leicht, und die Hürden auf dem Weg zu Hilfen sind zu hoch. Die Bürokratie überfordert viele. Hinzu kommt die soziale Ausgrenzung von psychisch Erkrankten. Über Menschen mit psychischen Erkrankungen wird oft noch abfällig gesprochen: „irre“, „gaga“, „bekloppt“. Wir müssen weg von solchen despektierlichen Äußerungen und raus aus der Tabuzone, damit Familien die vorhandenen Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen und wir mehr passende Angebote schaffen.

Deshalb bringen wir heute diesen Antrag auf den Weg, um Präventionsmaßnahmen zu stärken und Kinder psychisch oder suchtkranker Eltern besser zu unterstützen. Ich bin sehr froh, dass wir es noch in dieser Legislatur geschafft haben, das Thema hier im Plenum des Deutschen Bundestages zu diskutieren. Denn es muss unser gemeinsames Anliegen sein, dass alle Kinder gut und wohlbehütet aufwachsen können!

Meine Vorrednerinnen haben bereits viele wichtige Maßnahmen angesprochen, die wir dafür anpacken müssen, wie beispielsweise die verlässliche Finanzierung der Frühen Hilfen. Ein weiterer wichtiger Schritt wäre der Kampf gegen das Stigma von psychischen Erkrankungen. Wir müssen vorhandene Strukturen wie die Woche der Seelischen Gesundheit nutzen, um eine bundesweite Entstigmatisierungskampagne für Familien mit psychisch oder suchtkranken Eltern auf den Weg zu bringen.

Denn letztendlich geht es darum, dass die Kinder mit ihren Sorgen und Problemen nicht allein sind. Sie brauchen Erwachsene, denen sie sich anvertrauen können, Menschen, die nicht urteilen und unvoreingenommen sind. Deshalb müssen Personen in ihrem Umfeld wie zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrer oder Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter mit gezielten Weiterbildungen sensibilisiert werden, um besser unterstützen zu können.

Ich möchte allen danken, die fraktionsübergreifend diesen wichtigen Antrag erarbeitet haben. Danke, dass wir heute ein Signal an alle Kinder mit psychisch oder suchtkranken Eltern senden können und sagen: Ihr seid unsere Priorität, wir kümmern uns und werden auch in Zukunft an Maßnahmen arbeiten, die euch das Leben leichter machen.

Quelle: Plenarprotokoll 20/211 (PDF) ↗ · Zwischenrufe und Beifall sind im Text nicht enthalten.